AfT-Symposium

Infektiöse Erkrankungen beim Pferd

Am 15. Januar 2026 fand im Rahmen des Leipziger Tierärztekongresses das diesjährige Symposium der Akademie für Tiergesundheit e.V. statt. Die Experten stellten den aktuellen Stand zur Diagnostik und Prävention von infektiösen Erkrankungen beim Pferd vor. Ein besonderer Fokus lag dabei auf Erkrankungen der Atemwege und neurologischen Erkrankungen.

Fieber beim Pferd – ein Symptom, viele Ursachen

Im Mittelpunkt der ersten Session stand der fiebernde Patient. Prof. Angelika Schoster, Ludwig-Maximilians-Universität München zeigte die Vielfalt der mit Fieber einhergehenden Erkrankungen auf. Verschiedene Organsysteme können betroffen sein. Rund 90 % aller fieberhaften Erkrankungen beruhen auf Infektionen des Atmungs- oder Gastrointestinaltrakts. Durch die allgemeine Untersuchung und zum Teil weiterführende Untersuchungen können weitere Befunde zur Eingrenzung des Krankheitsgeschehens erhoben werden. Oftmals ist Fieber aber (zunächst) das einzig klinisch feststellbare Symptom. Neben infektiösen Erkrankungen kann Fieber auch bei Tumorerkrankungen auftreten.

Prof. Kerstin Fey, Justus-Liebig-Universität Gießen gab einen Überblick über ergänzende labordiagnostische Verfahren wie die Kultivierung infektiöser Erreger, Antibiogramm, Hämatologie und Bestimmung chemischer Parameter. Entscheidend für ein aussagekräftiges Ergebnis ist die richtige Probe zum richtigen Zeitpunkt. So ist beispielsweise bei Equinen Herpesviren nur in der frühen Phase der Infektion der Nachweis des Virus über den Nasentupfer möglich. Zu einem späteren Zeitpunkt kann das Virus dann in Blutproben nachgewiesen werden. 

Neue Ansätze für die Diagnostik in der Praxis bieten molekulare Nachweisverfahren. So biete die Loop mediated isothermal amplification (LAMP) den Vorteil einer einfacheren Durchführung als die klassische PCR. Ergebnisse liegen erheblich schneller vor. Die LAMP ist zudem weniger anfällig für Kontaminationen. 

Hygienemanagement in Pferdebetrieben – vorbereitet sein auf den Ausbruchsfall

Hygiene und Biosicherheit sind nicht nur ein Thema für Schweine-, Rinder- und Geflügelhaltende Betriebe, sondern auch wichtiges Thema für den Pferdestall. Allgemeine Sauberkeit, Handhygiene, stressarme Haltung sowie regelmäßige Impfungen und Entwurmungen gehören zur Basishygiene. Regelmäßige Reinigung und Desinfektionsmaßnahmen, Schadnagerkontrolle und eine räumlich getrennte Quarantäne- und Notfallbox gehören ebenfalls zu einem guten Hygienekonzept, führte Prof. Heidrun Gehlen, Freie Universität Berlin aus. 

Was ist zu tun, wenn infektiöse Erreger im Betrieb festgestellt werden? Am häufigsten handelt es sich hier um Equine Herpesviren, Equine Influenza und Druse.  Im Ausbruchsfall wird die Trennung der Tiere nach dem Ampelsystem empfohlen: Grün – ohne klinische Anzeichen, und ohne Kontakt zu erkrankten Tieren, Gelb – ohne klinische Anzeichen, aber mit Kontakt zu erkrankten Tieren, Rot – Pferde mit klinischen Anzeichen oder erhöhter Körpertemperatur. Um frühe Fieberphasen und den aktuellen Status zu erfassen, sollte mindestens einmal täglich gemessen werden. Die verschiedenen Bereiche sind zu kennzeichnen, der Zutritt von Personen sollte beschränkt und Personal und Equipment zwischen den Bereichen strikt getrennt werden. Erweiterte Hygienemaßnahmen müssen beibehalten werden bis alle Tiere negativ getestet und über mehrere Wochen keine klinischen Symptome mehr vorhanden sind. Nach überstandener Krankheit empfiehlt es sich, eine ausführliche Reinigung und Desinfektion des Stalles und Equipments vorzunehmen. Hierbei sollten geprüfte Mittel aus der DVG-Desinfektionsmittelliste verwendet werden.

Die wichtigste Empfehlung lautet, sich bereits vorab mit möglichen Szenarien zu befassen und einen Plan für den Fall der Fälle anzulegen. 

Atemwegserkrankungen – infektiös vs. nicht infektiös 

Dr. Bianca Schwarz, Beratende Pferdeinternistin, Saarlouis informierte zu infektionsbedingten Erkrankungen der Atemwege. Diese sind abzugrenzen gegenüber den nicht-infektiösen Atemwegsentzündungen, allem voran dem Equinen Asthma. 

Ursächlich für Atemwegsinfektionen sind zumeist virale oder bakterielle Erreger, seltener Pilze oder Parasiten. Auch Mischinfektionen kommen vor.  Je nach Erreger und Altersgruppe kommt es zu milderen oder schwereren Verläufen. Neben der klinischen Untersuchung kommen auch hier ergänzende Verfahren wie Endoskopie, Untersuchung des Tracheobronchialsekretes, Tupferproben, Ultraschall oder Thoraxröntgen zum Einsatz. 

Equine Herpesviren – weit verbreitet und gefürchtet

Equine Herpesviren (EHV) gehören zu den bedeutendsten infektiösen Erregern des Pferdes und sind weit verbreitet. Weltweit besteht eine Seroprävalenz von 70-85 Prozent, so Prof. Angelika Schoster. Die Infektion erfolgt oftmals schon in den ersten sechs Lebensmonaten, wenn der Schutz durch maternale IgG abgeklungen ist. Wichtigste Vertreter der Equinen Herpesviren sind EHV 1 und EHV 4. Zu den häufigsten Erscheinungsformen zählen respiratorische Erkrankungen. Darüber hinaus kann es bei tragenden Stuten zu Aborten oder zur Geburt lebensschwacher Fohlen kommen. Besonders gefürchtet ist die neurologische Verlaufsform, die Equine Herpesvirus-Myeloenzephalopathie (EHM), die fast ausschließlich mit EHV-1 in Zusammenhang steht. 

Nach einer Inkubationszeit von 6-10 Tagen kommt es zu einer ersten, meist moderaten Temperaturerhöhung. Diese bleibt oft unbemerkt, ist jedoch bereits mit hoher Virusausscheidung verbunden. In der sich anschließenden Virämie, die meist mit einer zweiten Fieberphase mit hohem Fieber verbunden ist, nimmt die Ausscheidung des Virus in den oberen Atemwegen bereits wieder ab und kann nicht mehr sicher in Nasenausstrichen nachgewiesen werden. Empfohlen wird hier die Kombination von Nasentupfer und EDTA-Blutproben, sowie ggf. wiederholte Probenahme. Mit dem Übergang in Phase 3 der Infektion und Infektion der Endothelzellen besteht die Gefahr von Aborten und Schäden des Nervensystems mit Ataxie, Hinterhandlähmungen, Störungen des Harn- und Kotabsatzes und ggf. weiteren Symptomen.

Die respiratorische Verlaufsform verläuft oft mild, die Symptome klingen nach etwa 2 Wochen ab. Um Spätschäden zu vermeiden, ist eine ausreichend lange Ruhepause nach dem Abklingen der Symptome unbedingt erforderlich. Die Anzahl der Tage mit Temperaturen über 39 Grad sollte der Zahl der Wochen ohne Training entsprechen! Bei der neurologischen Verlaufsform ist die Prognose deutlich ungünstiger. Je früher eine Therapie mit entzündungshemmenden und antiviralen Medikamenten begonnen wird, desto besser sind die Heilungsaussichten. Ergänzend wird Heparin zur antithrombotischen Behandlung eingesetzt.

Risikofaktoren sind vielfältig, insbesondere durch Stressfaktoren wie Transport, Absetzen, Geburt, Operationen, Krankheiten oder die Gabe von Kortikosteroiden kann das Virus reaktiviert werden. Mangelnde Belüftung beispielsweise in Turnierzelten erhöht das Infektionsrisiko für weitere Pferde im Falle eines Ausbruchs massiv. Zur Prävention wird empfohlen, Pferde in epidemiologisch ähnlichen Gruppen zu halten (keine alten und jungen Tiere mischen), und insbesondere trächtige Stuten von anderen Tieren zu trennen. Wichtige Maßnahmen bleiben Hygiene und eine konsequenten Impfstrategie, die zwar keine absolute Sicherheit, aber einen entscheidenden Beitrag zum Populationsschutz liefert.

Neurologische Erkrankungen – West-Nil-Fieber, EHV, Borna, Tetanus

Infektionsbedingte neurologische Erkrankungen beim Pferd sind selten, jedoch klinisch bedeutsam. Im deutschsprachigen Raum zählen insbesondere das Equine Herpesvirus 1 (EHV-1), Tetanus und die neuroinvasive Form der West-Nil-Virus (WNV)-Infektion zu den häufigsten Ursachen. Auch Infektionen mit dem Borna-Virus führen zu schweren Verläufen. Vereinzelt wurden auch Fälle von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) beim Pferd beschrieben, so Prof. Jessika-M. Cavalleri, Veterinärmedizinische Universität Wien. Die Bilder neurologischer Erkrankungen sind oftmals dramatisch, insbesondere bei schweren Verläufen ist die Letalität hoch.

Das West-Nil-Virus hat sich in Deutschland mittlerweile etabliert, mit stetiger Ausbreitungstendenz von den östlichen Bundesländern nach Norden und Westen. Wintertemperaturen von 2-6 Grad ermöglichen ein erfolgreiches Überwintern des Virus in infizierten Culex-Mücken. Milde Winter, regnerische Sommer und die Nähe zu Siedlungsrändern, Feuchtgebieten und landwirtschaftlich genutzten Flächen erhöhen das Infektionsrisiko. Die Impfung gegen WNV reduziert das Risiko schwerer klinischer Erkrankungen. Daneben können Maßnahmen zur Vektorkontrolle wie Repellentien, Decken und das Aufstallen während der Dämmerung das Infektionsrisiko senken. Brutstätten wie stehendes Wasser sollten möglichst entfernt, Tränken regelmäßig (mindestens wöchentlich) gereinigt werden. 

Ständige Impfkommission Veterinärmedizin – Leitlinien und Empfehlungen 

Prof. Karsten Feige, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover informierte zur Arbeit der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet). Die StIKo Vet wurde 2013 mit Einrichtung des Tiergesundheitsgesetzes ins Leben gerufen. Sie setzt sich aus Experten für die einzelnen Tierarten zusammen. Empfehlungen für die einzelnen Tierarten werden in Arbeitskreisen für die jeweilige Spezies beraten. Die Empfehlungen zur Impfung von Pferden liegen derzeit in 5. Auflage, Stand 06.01.2025 vor. Als Core-Impfung wird neben der Impfung gegen Tetanus und gegen die Equine Influenza auch die Impfung gegen EHV weiterhin empfohlen. Die Studienlage hierzu wurde eingehend geprüft. Auch wenn die Impfung hiergegen nur einen teilweisen Schutz bietet, gehen die Experten davon aus, dass bei breiter Impfung der Population eine Reduzierung des zirkulierenden Virus erreicht und so die Zahl und Schwere der Ausbrüche verringert werden kann. Derzeit bleibt man allerdings weit hinter der angestrebten Impfdichte zurück. 

Mit Blick auf die Equine Influenza wird die Impfung gegen die in Europa aktuell zirkulierenden Typen Florida 1 und 2 empfohlen. Impfungen gegen Equine Influenza und Equine Herpesviren können nach Ansicht der Experten gleichzeitig durchgeführt werden. Nach verschiedenen Untersuchungen resultieren bei gleichzeitiger (ortsgetrennter) Impfung gegen Equine Influenza und EHV mindestens ebenso hohe Titer wie bei einzeln oder im Abstand von 14 Tagen erfolgenden Impfungen. 

Das nächste AfT-Symposium findet am 04.-05.03.2027 in Montabaur statt. Thema sind dann neue Ansätze in Therapie und Prophylaxe.

Abdruck honorarfrei, Belegexemplar erbeten

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Über die Akademie für Tiergesundheit e.V.

Die Akademie für Tiergesundheit e.V. (AfT) hat die Förderung von Wissenschaft und Forschung auf den Gebieten der Veterinärmedizin und Tierernährung, die Förderung des öffentlichen Bewusstseins für die Notwendigkeit der Gesunderhaltung von Tieren und die Information der Öffentlichkeit zum Ziel. Die Akademie versteht sich als wissenschaftliches Forum zur Diskussion neuester Fragestellungen aus dem universitären und industriellen Bereich im Dialog mit relevanten Gruppen. Neben der Durchführung und Unterstützung wissenschaftlicher Veranstaltungen verfolgt die Akademie ihre gemeinnützigen Ziele besonders durch Vergabe von Beihilfen an junge Wissenschaftler, gezielte Förderung der Grundlagenforschung und durch die jährliche Verleihung eines Preises für herausragende experimentelle Arbeiten aus dem Gebiet der Tiergesundheit.